Was bedeutet es, für einen anderen Menschen da zu sein?
Nicht irgendwann. Nicht, wenn es leicht ist.
Sondern genau dann, wenn sich jemand allein fühlt.
Eine Kindheit, die auf das Leben vorbereitet
Myriam kennt diese Antwort.
Sie wuchs in Kigali, Ruanda, als erstes Mädchen nach vier Brüdern auf. Ihre Mutter, selbst Krankenschwester, erzog sie mit Strenge und Liebe. Damals verstand Myriam nicht, warum gerade sie so viel Verantwortung tragen musste.
Heute sagt sie: „Sie hat mich auf ein Leben vorbereitet, das nicht leicht sein würde.“ Eigentlich wollte Myriam schon immer Krankenschwester werden. Doch ihre Schulnoten reichten zunächst nicht aus. Stattdessen studierte sie Hotelmanagement und kam später als Au-pair nach Deutschland.
Jeder kleine Schritt zählt
Die ersten Monate waren schwer. Eine neue Sprache. Eine fremde Kultur. Tage, an denen sie dachte, sie könne nicht mehr. Aber sie blieb. Jeden Tag ein neues Wort. Jeden Tag ein kleiner Schritt. Und mit jedem Schritt wuchs ihr Vertrauen in sich selbst.
Dort, wo andere wegsehen
Während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres begegnete sie zum ersten Mal Menschen mit Demenz. Sie sagt: „Ich habe sie gefühlt. Ich konnte mich in sie einfühlen.“ Viele von ihnen waren einsam. Oft vergessen. Und genau dort fand Myriam ihre Berufung.
„Ich möchte, dass sie spüren, dass jemand an ihrer Seite ist. Auch wenn ich sie nicht kenne.“
Heilung beginnt mit Menschlichkeit
Dieser Satz blieb bei uns. Denn Myriam spricht nicht zuerst über Medikamente oder Behandlungen. Sie spricht über Nähe. Über Würde. Über das Gefühl, gesehen zu werden. „Wenn jemand allein ist, kommen die Krankheiten. Wenn deine mentale Gesundheit leidet, kommt alles andere hinterher. Ich will nicht nur Medikamente geben. Ich will, dass die Seele heilt.“
Die Kraft des Bleibens
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erinnerungen unserer Zeit: Nicht jede Hilfe beginnt mit einer großen Lösung. Manchmal beginnt sie mit einem Menschen, der bleibt. Mit einem Menschen, der sagt: „Ich bin an deiner Seite.“
Stille Stärke sichtbar machen
Myriams Geschichte ist eine von 21 Geschichten der Ausstellung „Stille Stärke. Vom Mut, neu zu beginnen“ im HAUS RISSEN.
Sie erinnert daran, warum der Leitsatz unseres Hauses aktueller kaum sein könnte: „Demokratie braucht Raum.“ Raum für Begegnung. Raum für Vertrauen. Raum für Menschen wie Myriam.
Eine starke Gesellschaft beginnt bei uns
Denn eine starke Gesellschaft entsteht nicht durch große Worte. Sondern durch Menschen, die füreinander da sind. Auch dann, wenn niemand hinsieht.
„Stille Stärke. Vom Mut, neu zu beginnen“
Die Ausstellung im HAUS RISSEN: „Stille Stärke“ - Eine Ausstellung über gelebte Demokratie
Das Buch von Nicole Behnk-Müller ist ab sofort im Handel erhältlich (ISBN: 978-3-96194-268-8).
Mehr Informationen zum Projekt: www.stillestärke.com